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Im Lande der
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Der heilige Ronan
Der heilige Ronan
Nach: O.-L. Aubert
Der selige Ronan erblickte das
Licht der Welt auf der Insel Hibernia, das ist Schottland, jenseits des blauen
Meeres als Nachkomme bedeutender Herrscher. Eines Tages, als er ins Gebet
versunken war, nahm er einen hellen Schein wahr und erblickte einen schönen,
weiß gekleideten Engel, welcher zu ihm sprach :
"Ronan, Ronan! Verlass diesen Ort.
Gott befiehlt dir, um deine Seele zu retten ins Land Cornouaille zu gehen."
Einige Zeit danach entdeckten
Fischer, welche vor der Küste der heutigen Bretagne ihre Netze auswarfen, einen
Felsen, den die Fluten wie ein Wrack auf sich schaukelten und der gerade auf sie zu kam. Erst waren sie neugierig,
wurden dann aber von der Furcht ergriffen, dass ihr Boot zermalmt würde. Wie
sie sich noch fragten, auf welche Weise sie der unmittelbar bevor stehenden
Katastrophe entgehen könnten, bemerkten sie plötzlich auf dem seltsamen Floß
einen Mann knien, welcher in glühendes Gebet versunken zu sein schien. Sie
riefen ihm zu, aber der Felsen manövrierte so, dass er zwischen den Booten
hindurchglitt, ohne eines zu berühren. Dann sahen die Fischer, wie er sich
einem der Häfen am Ufer zuwandte. Kurz darauf landete er dort. Der
ungewöhnliche Seefahrer, niemand anderer als Ronan persönlich, ließ seinen
Felsen am Strand zurück und setzte den Fuß an Land.
Die Küsten des Léon, an welche die
Winde Ronan auf Gottes Geheiß hin geweht hatten, waren alles andere als
gastlich. Ihre Bewohner gehörten zu den wildesten Schiffsplünderern. Als der
Heilige eintraf, waren die Männer noch auf Fischfang. Die Frauen empfingen ihn
und beschlossen allsogleich, ihn zu entmannen. Aber in seiner groben, halb
zerrissenen Kutte, sah er so jämmerlich aus, dass sie ihr Vorhaben fallen
ließen.
Von seiner Landung an ging Ronan
gleich daran, den Menschen, die ihn umgaben, Christi Worte zu lehren. Er war
bemüht, ihnen nahe zu legen, dass sie mit ihrer Piraterie ein Ende machen sollten.
Man hörte nicht nur nicht auf ihn, sondern drohte ihm auch, ihn mit Gewalt zum
Schweigen zu bringen, wenn er nicht von sich aus aufhörte. Man fragte ihn, ob
er käme, das Land zu ruinieren und Frauen und Kinder in schrecklichste Armut zu
stoßen. Man sagte, wenn dies alles sei, was seine Religion zu lehren habe, dann
sollte er besser anderswo predigen gehen.
Ronan erkannte, dass er durch
Überzeugung nichts erreichen würde und bat Gott, er möge einem Glöckchen, welches
er mitgebracht hatte, eine solche Kraft verleihen, dass man es über den ganzen
Ozean höre. Seine Bitte wurde erhört. Ronan bediente sich nun dieses
Glöckchens, um die Schiffe auf dem Meer vor der Gefahr zu warnen, der sie
ausgesetzt waren, wenn sie sich zu sehr der bretonischen Küste näherten. Da es
nun keine Schiffsunglücke mehr gab, richteten die Bewohner, vor allem die
Frauen, ihren Zorn gegen Ronan. Um diesen bösen Leuten zu entgehen, beschloss
Ronan, in die Wälder vorzudringen, die zu jener Zeit noch den größten Teil der
Habinsel bedeckten. Der Fels, der ihm als Boot gedient hatte, lag immer noch am
Strand. Ronan nahm wieder den Platz ein, den er auf der Herfahrt von Schottland
inne gehabt hatte. Plötzlich wurde der Felsen zu einer steinernen Stute, welche
an den verblüfften Küstenbewohnern vorbei ins Innere des Landes galoppierte.
Mehrere Tage galoppierte die Stute nun und machte erst am Fuß des Menez Hom
Halt. Ronan erkannte, dass dies die neue Stelle war, die Gott ihm für die
Errichtung seiner Einsiedelei vorzeichnete. Sogleich baute er sich eine Hütte
aus Astwerk und Lehm und begann, ein Leben als Einsiedler zu führen, wie er es
liebte. Der Ort war gut gewählt: Am Berghang und am Waldrand und dem Meer
gegenüber gelegen. Aber Ronan war nicht hergekommen, um auszuruhen. Jeden Tag
ging er seinen Weg: Morgens lief er in Richtung der aufgehenden Sonne, abends
in Richtung der untergehenden Sonne durch das Gelände, das unmittelbar zu
seiner Einsiedelei gehörte. Jede Woche machte er bevor er etwas zu sich nahm,
einen größeren, mehrere Meilen langen Rundgang, der ungefähr einmal um den Berg
herum führte.
Zum Gedenken an diese beiden
Umgänge (Tro minihy - Tour um das Kloster, Troménie), den großen und den
kleinen, dauert jedes Jahr der Pardon von Saint Ronan einen Tag und alle sechs
Jahre eine Woche.
Unter den Heiligen jener Zeit
unterscheidet man zwei Gruppen: die Bischöfe, Priester oder Mönche, die echte
Evangelisten waren, und die Anachoreten oder Einsiedler, welche ein
zurückgezogenes Leben in Gott führten. Ronan gehörte zu der letzteren Gruppe.
Er predigt nicht, redet nicht zu der Menge. Der menschlichen Gesellschaft zieht
er die der Bäume vor, der Pflanzen, Tiere und selbst der Steine. Die Wölfe
gehorchen ihm und werden, gleich denen des heiligen Hervé, sanft wie Schafe.
Die Bewohner der Gegend hingegen fürchten diesen Fremden, von man nicht weiß wo
er her kommt. Sie sehen in ihm einen Zauberer, ein böses Wesen, einen Werwolf,
wer weiß? Sie lasten ihm alles Unheil, alle Verbrechen an. Eine Eiche fällt auf
den Holzfäller, der auf ihren Stamm einhaut. Gleich behauptet man, Ronan habe
ihn umgestoßen und beschließt, sich seiner zu entledigen. In der folgenden
Nacht werden einige zu dem Einsiedler gehen und ihn erschlagen. In dem
Augenblick, da sie aufbrechen wollen, hält der Penntiern von Kernévé sie auf:
"Wenn Ronan wirklich ein Magier
ist", sagt er, "dann wird er sich zu vor euren Schlägen zu schützen wissen.
Wenn er sich nichts vorzuwerfen hat, dann werdet Ihr die Schuldigen sein."
Der Penntiern hat große Autorität.
Man hört auf seinen Rat und beschließt, ihn als Unterhändler zu dem Einsiedler
vorzuschicken. Ronan empfängt ihn freundlich und spricht mit ihm über Religion.
Der Besucher ist angerührt von so viel Liebenswürdigkeit und erklärt, von nun
an bei dem heiligen Mann bleiben zu wollen.
Ronan aber beauftragt ihn, zu
seinen Leuten zurückzukehren und über seinen Auftrag zu berichten. Der
Penntiern gehorcht, geht er jedoch, sobald er kann, wieder zur Penity zurück,
um ein treuer Schüler dessen zu werden, der ihn bekehrt hat. Es gelingt ihm
aber sehr gegen seinen Willen nicht, das einsiedlerische Leben seines
Gastgebers zu führen.
Seine Frau Keben, deren Name jetzt
Synonym für eine böse Frau geworden ist, widersetzt sich dem. Sie betrachtet
mit missgünstigen Augen die Beziehung ihres Mannes zu Ronan. Ist der nicht der Grund
dafür, dass ihr Mann sie vernachlässigt? Um ihn loszuwerden, tut sie sich mit den
Ronans Feinden zusammen und überredet sie, mir zu seiner Hütte zu gehen und sie
in Brand zu stecken.
Des nachts schleichen sie sich an
und glauben sich schon nah am Ziel ihrer Absichten. Plötzlich erwacht die
steinerne Stute, die seit einigen Jahren schlummert, richtet sich auf und
wiehert.
Alle Brandleger ergreifen die
Flucht. Keben beschimpft sie und wirft ihnen Mangel an Mut vor. Dann wird sie
eben allein zu Ronan gehen. Er steht in der Tür seiner Hütte und befiehlt Keben,
zurückzugehen. Die Megäre will sich auf ihn stürzen und das Gesicht zerkratzen.
Aber ihre Beine versagen den Dienst und sie kann sich ihrer erst wieder
bedienen, wenn der Heilige es will.
Keben gibt sich nicht geschlagen.
Viele Tage lang wälzt sie im Kopf die höllischsten Pläne. Eines Nachts steht
sie auf, holt ihre Tochter aus dem Bett, die der Penntiern am meisten liebt,
und schließt sie in eine enge Truhe ein, die sie hinter einen Reisigbündel
versteckt. Dann beweint sie laut überall das Verschwinden ihres Kindes und
versichert, niemand als der Werwolf aus den Bergen, also Ronan, könne es geholt
haben. Die ganze Gegend wird von ihr in Aufruhr versetzt und fordert
Gerechtigkeit. Keben geht nach Quimper vor König Gradlon und klagt Ronan formal
der Hexerei und des Mordes an.
"Deine Anklage überrascht mich
sehr", antwortet der König. "Aber sie soll untersucht werden."
König Gradlon ist zu jener Zeit
noch auf Seite der Heiden. Seine Umgebung ist über die Vorwürfe gegenüber Ronan
geteilter Meinung. Für die einen trägt Keben Lügen vor, für die anderen spricht
sie die Wahrheit, und Gerechtigkeit muss ihren Lauf nehmen.
Auf Gradlons Aufforderung hin
stellt Ronan sich freiwillig und beteuert seine Unschuld. Keben hält ihre
Anschuldigungen aufrecht. Gradlon verfährt, wie es damals in solchen Fällen
üblich war, nämlich durch ein Gottesurteil:
"Ich habe zwei fürchterliche Doggen
in meinen Zwingern," sagt er, "Sie sind stark wie Löwen und in der Lage, mit
ihren geschärften Zähnen jeden Menschen und jedes Tier zu zerreißen, gegen das
sie aufgehetzt werden. Wir werden sie auf Ronan loslassen. Wenn er unschuldig
ist, wird dies ihn retten."
Diese Art von Wahrheitserweisen
war zur damaligen Zeit üblich. Die beiden Schlachterhunde werden frei gelassen
und stürzen sich mit wütendem Gebell auf Ronan. Der Heilige aber hebt eine
Hand, macht ein Kreuzzeichen und spricht:
"Gehorcht Gott!"
Da legten sich die Doggen
friedlich Ronan zu Füßen und lecken seine Hand.
König Gradlon bittet den
Einsiedlermönch um Verzeihung. "Wir waren verblendet", sagt er, "durch die Lügen
dieser Frau. Deine Heiligkeit hat die Verleumdung zunichte gemacht. Richte
nicht deinen Zorn gegen uns."
Ronan versicherte den König seiner
Achtung und bittet darum, dass man, um die Angelegenheit aufzuklären, eine
Truhe herbeizubringen, die sich in einen Holzstapel der anklägerischen Frau
befinde und sie öffne. Es wird so angeordnet und in der Truhe findet man das
tote Kind.
Abermals versucht Keben, ihn
anzuschwärzen; denn wie hat er davon wissen können, wenn er nicht selbst das
Kind da hinein gelegt habe. Aber bei Ronans Worten erhebt sich das Mädchen und
wirft sich ihrem Vater in die Arme.
Dieses Mal hat man endgültig
verstanden. Man will Ronan gegen die niedrigen Anschuldigungen verteidigen, die
man gegen ihn erhoben hat und sogar so weit gehen, seine Feindin zu steinigen.
Aber das verhindert der Heilige, der dafür sorgt, dass sie heil und
unangetastet geht.
Von nun an war Ronan von allen
geehrt und geachtet. Er vergibt allen, die ihm Böses wollten, lebt aber nach
wie vor zurückgezogen und verkehrt mit niemandem außer, mit dem Penntiern.
Eines Tages kam Bischof St. Guénolé aus Quimper zu Besuch. Als er vor Ronans
Einsiedlerhütte eintrifft, sieht er ein gewaltiges Spinnennetz, das den Eingang
verwehrt. Vergeblich bemüht er sich, es mit seinem Kreuzstab zu zerreißen. Er
muss zurückkehren.
Einige Zeit später erhoben sich
wieder Vorwürfe gegen ihn. Der Heilige ist es aber leid, zu kämpfen. Er beugte
sich der weisen Einsicht: "Besser mit einem Drachen und einem Löwen zu leben
als mit einer bösen Frau." Und beschließt, wegzugehen. Er durchquert die
Cornouaille und Domnonien bis nach St. Hillion bei Saint-Brieuc. Dort verschied
er eines Karfreitagabends.
Das Gerücht von seinem Tod
breitete sich schnell in der Bretagne aus. Grafen und Bischöfe verschiedener
Gegenden stritten sich um die Ehre, ihm ein Grab zu geben. Niemand aber konnte
sicher sein, dass er wusste, was der Heiligen selbst gewünscht hätte. Man
beschloss also, ihm selbst die Entscheidung zu überlassen und legte ihn auf
einen Wagen aus rohen Baumstämmen, dem vier Ochsen vorgespannt wurden. Die
Ochsen, wie geleitet von der unsichtbaren Hand des Heiligen, marschierten los
und zogen den Karren quer durch die damals noch bewaldete Bretagne bis zu einer
Stelle, von der sie nicht mehr wegzubewegen waren. Dort setzte man den Heiligen
bei und errichtete eine Kirche. Heute ist diese Stelle die Seitenkapelle, die
"chapelle du pénity", der Kirche St. Ronan in Locronan.
In anderen
Varianten der Legende hat König Gradlon von Quimper die Rolle des Penntiern von
Kénéven und Keben war seine Gattin.
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Stellengesuche, Designaufträge: Der GrünVerlag ist - leider - viel zu klein, als dass er Personal einstellen oder Aufträge nach außen vergeben könnte. Texte zur Publikation: Texte können nur im Rahmen der Bedingungen veröffentlicht werden, die bei
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Juli 2007
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